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Angelus Silesius

Silesius

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Angelus Silesius war der Sohn des, nach polnischem Recht (Schlachta), adligen Deutschen, Stanislaus Scheffler, der vermutlich seines lutherischen Glaubens wegen seinen Wohnort nach Breslau verlegt hatte. Johann Scheffler besuchte das Elisabethengymnasium in Breslau und studierte Medizin und Staatsrecht in Straßburg (ab 1643), Leiden (1644) und schließlich Padua (1647), wo er 1648 zum Doktor der Philosophie und der Medizin promoviert wurde. In Leiden kam er in Kontakt mit dem Mystiker Abraham von Franckenberg. Der Mystik blieb er auch in den folgenden Jahren verbunden.

1649 trat Scheffler in Oels als Leibarzt in die Dienste des protestantischen Herzogs Silvius Nimrod zu Württemberg-Oels. Dort pflegte er Freundschaft mit Vertretern der schlesischen Mystik in der Nachfolge von Jakob Böhme und Abraham von Franckenberg. 1652 gab er seinen Posten auf und ließ sich als Arzt in Breslau nieder. Im folgenden Jahr konvertierte er zum katholischen Glauben und nahm den Namen Angelus an. Dadurch war er starken Angriffen durch protestantische Theologen ausgesetzt. Sein väterliches Erbe stiftete er für wohltätige Zwecke und bemühte sich um ein asketisches Leben.

Ab 1654 bekleidete er das Amt eines ehrenamtlichen Hofarztes des Kaisers Ferdinand III. 1661 wurde er für die Diözese Breslau in Neisse zum Priester geweiht. Von 1664 bis 1666 war er Hofmarschall des Breslauer Fürstbischofs Sebastian von Rostock. Danach lebte er bis zu seinem Tod zurückgezogen als Arzt für Arme und Kranke im Matthiasstift in Breslau.

Nach der Konversion stellte er sich mit großer Konsequenz in den Dienst der Gegenreformation Schlesiens, die er mit insgesamt 55 Streitschriften gegen die Protestanten zu unterstützen suchte. Seine Lyrik ist ebenfalls von tiefer Frömmigkeit geprägt, ebenso aber von grüblerischer Weltbetrachtung und mystischer Ergriffenheit. Die Drucklegung seiner Streitschriften wurde durch Abt Bernhard Rosa von der Zisterzienserabtei Grüssau finanziert.

Martin Luther nannte er einen Luzifer, der statt himmlischen Lichts nur "höllische Finsternis" gebracht habe und die Bedrohung des christlichen Abendlandes durch die Türken interpretiert er allen Ernstes als göttliche Strafe für die lutherische Ketzerei. Seine noch bis in die heutige Zeit bekannte Ermunterung zur Christusnachfolge "Mir nach, spricht Christus, unser Held" war als Schlachtruf gedacht, die wahre katholische Kirche zum Sieg und die protestantischen Glaubensabweichler zur Raison zu bringen.

Silesius war eine zerrissene Persönlichkeit, litt an anderen und sich selbst. Derselbe katholische Eiferer, der sich an der Höllenpein der Lutheraner erfreute, verschenkte sein gesamtes Vermögen nach und nach an Arme, sorgte für die Ausbildung von Waisenkindern, rettete in Not geratene Familienväter vor dem Schuldturm, kurierte als Arzt mittellose Patienten ohne Honorar, führte als katholischer Priester seelsorgerische Gespräche auch mit Protestanten und Freigeistern, und blieb Zeit seines Lebens eine widersprüchliche Gestalt.

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